Alles was Man(n) wissen muss

Heiraten in Vietnam das alltägliche Leben einer Ehe

© Patryk Kosmider - Fotolia.com (2014) Noch schwirren die Gedanken in Erinnerungen, denn eine traditionelle Hochzeit in Vietnam ist geprägt von herzergreifenden Momenten, welche im gesamten asiatischen Raum einen weitaus höheren Stellenwert besitzt, als dies zum Beispiel in Deutschland der Fall ist. Alle Blicke im Heimatort der vietnamesischen Partnerin oder des Partners sind von nun an auf das frisch vermählte Ehepaar gerichtet. Es ist schließlich nicht allgegenwärtig, dass frisch angetraute Eheleute unterschiedlicher Herkunft im vietnamesischen Heimatort den gewöhnlichen Alltag eines Ehepaares meistern müssen.
Insbesondere für den ausländischen Ehepartner erweißt sich der ganz normale Alltag eines Familienlebens in Vietnam, als schwieriges Unterfangen heraus. Neben Sprachbarrieren kommen noch traditionelle Gepflogenheiten und kulturelle Besonderheiten hinzu. Es gibt einfach viele Dinge, welche bei einem Ehepaar unterschiedlicher Herkunft gemeistert werden müssen, eine echte Herausforderung, welche von beiden Partnern eine gehörige Portion Geduld, Feingefühl und Kooperationsbereitschaft abverlangt. Im weiteren Verlauf dieses Berichtes möchten wir versuchen uns in einen ganz gewöhnlichen Ehealltag eines multikulturellen Ehepaares in Vietnam hineinzuversetzen, es wird sicherlich eine spannende wie auch abenteuerliche Reise in eine fremde Welt voller Geheimnisse.

Verheiratet in Vietnam – doch, was erwartet das frisch angetraute Ehepaar jetzt?

Eigentlich könnte man meinen, der gewöhnliche Alltag eines Ehepaares ist dem einer herkömmlichen Familie in Deutschland gleichzusetzen. Das mag in gewisser Hinsicht auch stimmen, dennoch ist ein normaler Alltag in Vietnam ganz anderen Kriterien ausgesetzt, denn die klassische Rollenverteilung besitzt in Asien noch einen anderen Stellenwert, als diese in Deutschland praktiziert wird. Doch bevor wir uns näher damit beschäftigen, noch einige Erläuterungen zu den wichtigsten Entscheidungen eines multikulturellen Ehepaares in Vietnam. Nachdem alle bürokratischen Hürden gemeistert wurden, die traditionelle Hochzeitszeremonie hinter sich gelassen worden ist, müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden, bleiben die frisch angetrauten Eheleute in Vietnam oder wird sogar ein gemeinsames Leben in Deutschland angestrebt? Für den Fall aller Fälle, dass sich das frisch vermählte Paar dazu entscheidet, nach Deutschland gehen zu wollen kommen weitere bürokratische Hürden sowie nervenaufreibende Wartezeiten auf die Eheleute zu. Allein die Beantragung eines Visums für den dauerhaften Aufenthalt (Nachzug zum Ehepartner) konfrontiert die Eheleute mit bürokratischen Formalitäten, welche teilweise einem Spießrutenlauf gleichzusetzen sind. Mitunter sind einige Aspekte, welche in der Genfer Konvention eindeutig geregelt wurde mit den Regelungen, wie diese von Deutschland angewandt werden keineswegs in Einklang zu bringen. Hier könnte man manchmal den Eindruck gewinnen, dass nicht allein gesetzliche Bestimmungen ausschlaggebend für die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis (bzw. Visaerteilung zwecks Nachzug zum Ehepartner) ausschlaggebend für eine Zusage oder Absage sind, sondern Behördenwillkür. Fast 80 Prozent der Fälle werden unter dem Vorwand einer eventuellen Scheinehe abgewiesen, wobei eine lückenlose Begründung keinesfalls dargelegt wird, sondern die betroffenen Eheleute einfach im ungewissen Stehen gelassen werden. Allein die Vorschriften einen Nachweis der deutschen Grundkenntnisse (Sprachkenntnisse A1-Test vom Goethe-Institut) erbringen zu müssen veranschaulichen aus eigener Erfahrung die teils mafiaähnlichen Strukturen (Verbindungen) zwischen Goethe-Institut und Konsularabteilung in Hanoi. Ein Merkblatt aller zu erbringenden Unterlagen für den Nachzugsantrag zum Ehepartner nach Deutschland finden Interessenten unter folgender Adresse im Internet:
http://www.hanoi.diplo.de/Vertretung/hanoi/de/07-Visainformationen/0-visabestimmungen.html

Zurück im ganz normalen Alltag eines Ehepaares in Vietnam!

Sollten sich die Eheleute allerdings dazu entschlossen, haben ihren gemeinsamen Ehealltag weiterhin in Vietnam verbringen zu wollen, dann bedeutet dieses für den ausländischen Partner eine völlige Umstellung alter Lebensgewohnheiten. Die größte Hürde für den ausländischen Ehepartner sollte in erster Linie das Sprachproblem darstellen, denn mal abgesehen von einfachen Wortkombinationen wie „Xinh Chao“ oder „Tam biet“, was ins deutsche übersetzt „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ heißt, kommen mitunter äußerst komplizierte Wortschätze vor, welche nicht von heute auf morgen erlernbar sind. Die anfänglich schwierige Kommunikation zwischen den Eheleuten selbst legen sich oftmals schneller, als ursprünglich angenommen, wobei nach dem Prinzip „geben und nehmen“ verfahren wird, dass bedeutet, ein harmonisches Miteinander in zwei Sprachen zu pflegen. Anders sieht es hingegen in kulturellen Gepflogenheiten aus, denn der Buddhismus ist die in Vietnam am häufigsten praktizierte Glaubensrichtung, welche von Vietnamesen äußerst ernst genommen wird. So sind Todestage in Vietnam oftmals wichtiger, als Geburtstage, denn traditionell werden derartige Anlässe mit großem Aufwand betrieben. Das bedeutet gemeinsam kochen, wobei sich am späten Nachmittag oder frühen Abend die gesamte Familie zum Essen versammelt, um mit Räucherstäbchen und einem innigen Gebet inklusive dreifacher Verbeugung mit geschlossenen Händen den Verstorbenen zu gedenken (Ehrfurcht zu erweisen). Auch von der ausländischen Schwiegertochter oder dem Schwiegersohn wird eine gewisse Ehrfurcht in der Form einer dreifachen Verbeugung vorm hauseigenen Altar der Ahnen erwartet.

Essgewohnheiten und Kindeserziehung in Vietnam!

Widmen wir uns einmal dem Thema Kindeserziehung, denn hier sind die Rollen in Vietnam nach traditionellen Regeln eindeutig verteilt. Die Ehefrau stellt in einer Ehegemeinschaft das typische Oberhaupt der Familie dar, wobei das Thema Kindeserziehung, Kochen sowie organisatorische Abläufe allein ihrer Hauptendscheidung zugeteilt ist. Der Ehemann hingegen hat die Aufgabe für den Lebensunterhalt der gesamten Familie zu sorgen, wobei viele Frauen mitunter durch ein eigenes Magazin (kleineres Geschäft) einen Teil zur Aufbesserung der finanziellen Gegebenheiten beitragen. Somit stellt der Ehemann zwar obligatorisch nach außen hin das eigentliche Familienoberhaupt dar, intern jedoch hat die Ehefrau in der Familie das Sagen. Beim Thema Essgewohnheiten scheiden sich bekanntlich die Geschmäcker, denn traditionelle vietnamesische Gerichte bestehen zu 90 Prozent aus Reisgerichten. Dazu gibt es hauptsächlich Fisch (gebraten, gekocht oder gegrillt), Fleisch (leicht angebraten und sehr fettig), Gemüse, was die Saison hergibt sowie selbst gemachter Schnaps (sehr gewöhnungsbedürftig). Moderne Ehegemeinschaften, wo beide Partner unterschiedlicher Herkunft sind, bevorzugen hingegen eine mehr oder weniger schmackhafte Mischung traditioneller vietnamesischer mit internationaler Küche. Am Ende ist es doch alles eine Frage des guten Geschmacks und Gepflogenheiten innerhalb der eigenen Familie.